• Dr. Martin Pabst

#TBT 001: "Im Land der Dänen wähnen..."

Vor bald zehn Jahren verbrachte ich ein verlängertes Wochenende in Kopenhagen. Und schrieb anschließend diesen Text, den ich in einem alten Blog veröffentlichte. Seit 2010 ist viel passiert, auch hinsichtlich der Frage, welchen Geistes Kinder mittlerweilse auch Schwarz-Rot-Gold schwenken, statt wie früher nur Schwarz-Weiß-Rot.


Im Land der Dänen wähnen...


...würde ich mich doch zu gern, wenn ich mein Heim verlasse. In nur vier Tagen Kopenhagenurlaub merkte ich, was unsere Nachbarn uns voraus haben. Nein, nicht an jeder Ecke Røde Pølser und Hotdogs kaufen können. Auch möchte ich nicht bei jedem Cafébesuch und bei jedem Bier die hohe Mehrwertsteuer verfluchen müssen. Und bis wir Deutschen wirklich entspannt unsere Fahne in Vorgärten rumhängen lassen, wird noch viel passieren müssen. Was mir fehlt, sind die kleinen, grünen Smileys, die an den Gastronomietüren kleben. Das System ist ganz einfach: Alle paar Monate kommen Inspekteure des Ministeriums für Nahrung, Landwirtschaft und Fischerei und kontrollieren das Lokal. Am Ende gibt es dann einen schriftlichen Bericht, den der Wirt gut sichtbar in Tür oder Schaufenster hängen muss und der auch im Internet veröffentlicht wird. Und für alle Lesefaulen gibt es dann die Smileys, die in vier Abstufungen über dem Bericht prangen. Von ganz traurig :-( bis breit lächelnd :-) kann man sich schnell überlegen, ob man seinen Hunger wirklich da stillen will. Wer in den letzten 12 Monaten absolut makellos war, bekommt den :-) -Smiley mit dem Spruchband „ELITE“. Ich war erstaunt, wie viele Straßenimbisse und Pølsevogn zur Hygiene-Elite der dänischen Verpflegungsbranche zählen. In den letzten 20 Jahren haben der „Dönermann“ und seine nicht-türkischstämmigen Parallelen in Deutschland die alten, schlichten Pommesbuden nicht nur hinsichtlich der Ladenflächen und Omnipräsenz beerbt, sondern auch, was den manchmal zweifelhaften Ruf angeht. Was von außen soweit ok aussieht, muss noch lange nicht hinter den Kulissen auch anständig sein, diese Wahrheit gilt für Gastronomie aller Genres und mehrerer Preislagen. Zuhause weiß man ja, wo man 'nen anständigen Döner oder 'ne Curry-Pommes kriegt. Doch auswärts wechselt man schnell in den unauffällig-Laden-einschätz-Modus: Sieht's von außen gut aus, reingehen und den Jungs auf die Finger gucken. Da haben die Dänen es einfacher: Wo Elite drauf steht, da haben es die Leute drinnen drauf, da braucht man nur noch testen, ob es schmeckt und nicht mehr, ob man es überlebt. Aber was lese ich in der Zeitung, kaum dass ich wieder zuhause ankam? Die Verbraucherschutzministerin findet die Smileys doof. Naja, von Bayern ist es auch ein weiter Weg bis nach Dänemark...

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